Nebenstrecken Südinsel 1

von Peter Hohenberger

Die Südinsel Neuseelands ist ein Paradies für Leute mit Interesse an the big outdoors, an Wandern, Busch und unberührter Natur. Die meisten der weltbekannten Wanderwege befinden sich hier, z. B. der weltberühmte Milford Track. Aber ich möchte hier nicht über Wandern schreiben, sondern über Nebenstrecken und unbekannte Gegenden, von denen es gerade auf der Südinsel jede Menge gibt.

Bitte entnehmen Sie allgemeine Hinweise und Tipps dem Beitrag "Nebenstrecken in Neuseeland - Die Nordinsel". Unbedingt erforderlich sind gute Karten, wie schon erwähnt, ist ein Satz der Mitgliederausgabe des AA, des neuseeländischen Automobilclubs, unbedingt erforderlich.

Für Ihre Reise zur Südinsel sollten Sie einige Dinge berücksichtigen:

Die Verbindung von der Nordinsel zur Südinsel ist die Fährlinie The Interislander. In der Saison müssen Sie Ihren Fährplatz unbedingt sehr rechtzeitig buchen. Das geht online www.interislandline.co.nz

Das Wetter auf der Südinsel hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Wer jemals einen Regentag an der West Coast erlebt hat, der weiß was ich meine - dann regnet es nämlich nicht nur, sondern dann fällt der gesamte Wolkeninhalt in einem Stück zu Boden. Tiefer im Süden wird es früher Winter als oben auf der Nordinsel. Die beste Reisezeit für die Südinsel ist nach meiner Erfahrung Januar bis März / April.

Wenn Sie einmal rund um die Südinsel herum möchten, dann sollten Sie von Picton kommend (hier legt die Fähre an) entgegen dem Uhrzeigersinn fahren - das Panorama ist auf diese Weise sehr viel schöner.

Hören Sie unbedingt auf Einheimische! Wenn Ihnen geraten wird, eine Strecke zur Zeit lieber nicht zu befahren, sollten Sie sich daran halten.

Der Queen Charlotte Drive
Der landschaftlich einmalig schöne Highway 6 führt von Picton an die West Coast und dann ganz in den Süden bis hinunter nach Invercargill. Die meisten Touristen fahren nach der Ankunft mit der Fähre in Picton weiter nach Blenheim (wird ausgesprochen "Blennem") auf dem Hwy 1 und biegen dann etwas später auf den Hwy 6 ab. Geradeaus weiter würden Sie auf den Hwy 63 kommen und diese Strecke ist tödlich langweilig. Abgesehen von einer hochgeheimen Echelon-Lauschanlage bei Wairau ist hier nichts, absolut nichts zu sehen. Es gibt aber eine andere Möglichkeit, die landschaftlich weitaus schöner ist. Wenn Sie in Picton ankommen, dann sehen Sie bereits vom Schiff aus zur Rechten eine Straße den Berg hinaufführen - das ist der Queen Charlotte Drive. Also runter von der Fähre, rechts halten, Kreisel, hier sinngemäß geradeaus und den bewussten Berg hoch. Ab hier geht es bis Havelock und immer auf Asphalt an den Buchten der Marlborough Sounds vorbei. Unterwegs gibt es einen Campingplatz und ansonsten viel Landschaft. Den letzten Lookout kurz vor Havelock sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Kurz danach kommen Sie wieder auf den Hwy 6 und fahren weiter nach Nelson. An jedem Samstag findet mitten in Nelson ein großer Markt statt, es gibt dort sogar deutsche Bratwürste. Wenn Sie schon in der Gegend sind, ist ein Ausflug in den Abel Tasman National Park sehr zu empfehlen, besonders schön ist die Bucht von Kaiteriteri - leider wissen das zahllose andere kiwis aber auch. Es lohnt sich durchaus, über die Takaka Hills noch etwas weiter zu fahren, bis Sie an die Golden Bay kommen. Collingwood ist ein verschlafenes Nest, noch etwas weiter gibt es Ausflüge zu der riesigen Sandbank des Farewell Split. Wenn Sie noch weniger Leute sehen möchten, dann fahren Sie die Schotterstraße am Meer entlang hinunter nach Paturau River - garantiert niemand hier... Der bekannte Wanderweg Heaphy Track hinüber zur West Coast beginnt in dieser Gegend, mit dem Auto kommen Sie aber leider nicht weiter und Sie müssen die ganze Strecke wieder zurück.

Die Weiterreise sollten Sie von Motueka aus auf dem dort beginnenden Motueka Valley Hwy über Ngatimoto und Tapawera machen, Sie stoßen automatisch wieder auf den Hwy 6. Genießen Sie die Strecke von hier bis ganz hinunter nach Queenstown - sie ist meine erklärte Lieblingsstrecke.

Die Marlborough Sounds - Portage
Wenn Sie einen intensiven Eindruck von den Marlborough Sounds bekommen möchten, sollten Sie diese zwar schöne, aber sehr kurvige Strecke abfahren. Zunächst nehmen Sie von Picton aus den Queen Charlotte Drive. Unterwegs in Linkwater, dem einzigen nennenswerten Ort unterwegs, geht rechts die durchgehend geteerte Straße nach Portage ab. Dort gibt es einen Campingplatz, ein Motel, einen Pub und einen kleinen Laden. Danach müssen Sie leider wieder zur Hauptstraße, dem Queen Charlotte Drive, zurück. Es führt von Portage eine Schotterstraße noch viel weiter auf die kleinen Inseln hier. Mit einem allradgetriebenem Fahrzeug sollten Sie keine Probleme haben, vergessen Sie aber nicht, vorher vollzutanken.

Aussichtspunkt Fox Glacier
Der Ort Fox ist sehr bekannt, hier gehen die Wanderungen und Hubschrauberrundflüge zum Mt Cook und den Gletschern ab. Sündhaft teuer, aber sehr zu empfehlen. Man kann bis zur Gletscherzunge hinfahren, well, manchmal hinfahren, je nachdem wie der Gletscher gerade aufgelegt ist. Es gibt aber noch einen anderen Aussichtspunkt:

Sie verlassen Fox Richtung Süden und überqueren den Fox River auf der Brücke. Unmittelbar danach biegen Sie links ab in den Busch und folgen dieser Straße ein kurzes Stück, bis Sie an einen kleinen Parkplatz kommen. Wenn die Büsche nicht wieder zu hoch gewachsen sind, dann haben Sie von hier einen atemberaubenden Ausblick auf den Fox Glacier. Diese Strecke kann auch mit einem Wohnmobil - zwar langsam aber immerhin - befahren werden. Abends sollten Sie in meiner Lieblingskneipe an der West Coast, dem Cook Saddle in Fox ein Bier auf mich trinken. Ich empfehle a jug of Speights Old Dark. Cheers, mate...

Wanaka > Queenstown via Crown Range
Diese Strecke war bis vor gar nicht so langer Zeit für alle Mietfahrzeuge und Wohnmobile im Mietvertrag ausdrücklich verboten. Inzwischen ist die Strecke jedoch vollständig geteert und sollten Sie immer noch eine Ausschlussklausel dafür in Ihrem Mietvertrag finden, ist das ein Anachronismus und völlig überflüssig.

Nachdem Sie den Hwy 6 an der gesamten wunderschönen West Coast hinuntergefahren sind und schon denken, es könne nicht mehr besser kommen, stoßen Sie auf das atemberaubende Gate of Haast und danach geht es in diesem Stil weiter. Achten Sie unterwegs kurz nach dem Ort Makarora auf den Parkplatz, von dem aus Sie durch Regenwald zu den Blue Pools laufen können - wirklich sehenswert, besonders die Hängebrücke unterwegs. Bald taucht rechts der Lake Wanaka auf und links kommt ein anderer Höhepunkt, der Lake Hawea. Kurz darauf befinden Sie sich an einer Abzweigung, wo Sie nach rechts in den Ort Wanaka hineinfahren. Direkt am Seeufer ist ein großer Parkplatz. Schauen Sie mal vom Bootssteg aus ins Wasser: das sind keine Wurzeln, sondern meterlange Aale und die großen Dinger sind - richtig, riesige Forellen. Nachdem Sie sich bei einer Pizza und einem Bierchen wieder beruhigt haben, können Sie weiterfahren. Einfach der Straße nach und wo die Straße leicht vom See wegführt nach links abbiegen auf die Straße nach Cardrona, das ist der Hwy 84. Im Ort Cardrona, eine Goldgräbersiedlung, finden Sie das weltbekannte Cardrona Hotel, inzwischen ein netter Pub mit Restaurant und Gartenbetrieb. Eine Rast hier lohnt sich. Danach geht es über die Passhöhe, von der aus Sie eine umwerfende Aussicht in das Gebiet um Queenstown haben. Nun den Berg hinunter und Sie kommen wieder zurück auf den Hwy 6 nach Queenstown.

Wanaka > Mt Aspiring National Park
Diese Strecke sollten Sie nur bei gutem Wetter und mit einem allradgetriebenem Fahrzeug befahren. Tanken Sie vorher voll und sagen Sie jemandem Bescheid, wohin Sie fahren und wann Sie zurück sein werden.

In der Gegend um Wanaka gibt es einige bekannte Skigebiete, die aber dann, wenn Sie im Sommer unterwegs sind, alle gesperrt sind. Manchmal ist die Zufahrt offen, manchmal sind die Tore geschlossen. Auf jeden Fall ist der Straßenbelag sehr grober Schotter und die Aussicht ist nicht unbedingt atemberaubend. Man ist ja inzwischen schon recht verwöhnt...

Eines der Skigebiete um Wanaka herum ist der Treble Cone. Fahren Sie von Wanaka aus der Beschilderung dorthin nach. Dort, wo die Strecke den Berg hinauf in das Skigebiet abzweigt führt, fahren Sie aber diese Schotterstraße geradeaus weiter und von hier immer sinngemäß weiter bis Ihnen nach vielen Kilometern die Straße ausgeht und Sie sich auf einer großen Wiese wiederfinden. Unmittelbar dort wo Sie dann sind, beginnt der Mt Aspiring National Park, ein El Dorado für Outdoorfreaks und Wanderer - die von der harten Sorte. Es kann sein, dass Sie unterwegs auf Viehgatter stoßen, das ist kein Problem, die Straße ist öffentlich. Es gibt aber eine eiserne Regel in unserem Land: ist ein Tor offen - lassen Sie es offen, ist ein Tor zu - machen Sie es wieder zu. Die zahlreichen Wasserdurchfahrten sind an und für sich recht harmlos - solange es in der Zwischenzeit nicht anfängt, heftig zu regnen. Achten Sie also unbedingt auf das Wetter.

Mavora Lakes und Walter Peak Station
Gegenüber von Queenstown auf der anderen Seite des Lake Wakatipu liegt die Walter Peak High Country Sheep Station. Das ist eine vom Veranstalter Fiordland Travel
http://www.fiordlandtravel.co.nz/ liebevoll restaurierte alte und sehr weitläufige Farm, inzwischen mit Restaurant und großer Bar ausgestattet. Der ebenfalls von Fiordland Travel betriebene alte Dampfer HMSS Earnslaw fährt mehrere Male täglich von Queenstown aus hinüber zur Station, dort wird unter anderem eine Farmshow gezeigt, in deren Verlauf ein unschuldiges Lamm zackzack ratzekahl geschoren wird. Danach fahren alle wieder mit dem Dampfer zurück, trinken unterwegs noch ein Bier an der Schiffsbar und hatten ganz generell einen schönen Tag. An das arme, nun erbärmlich frierende Schaf denkt niemand mehr. So weit so gut.

Ich wäre aber natürlich nicht mein eigenes Selbst, wenn ich nicht auch dazu eine andere, ungewöhnliche Strecke verfügbar hätte. Sie brauchen dazu ein möglichst allradgetriebenes Auto. Mit dem Wohnmobil können Sie nur bis zu den Seen fahren, danach geht das nicht mehr wegen der Flussdurchfahrten. Also, nehmen Sie sich einen Tag Zeit, packen Sie Proviant für das Picknick unterwegs ein, Mückenschutzmittel für die Seen, tanken Sie voll, schnallen Sie sich an und auf geht's:

Sie nehmen eigentlich die gleiche Strecke, als ob Sie zum Milford Sound fahren würden: raus aus Queenstown auf dem Hwy 6, den See entlang, bei Five Rivers rechts abbiegen auf den Hwy 94 und weiter bis zu dem kleinen Ort Mossburn. Hier am T wieder rechts. Tanken Sie nochmals voll. Ca. 18 km hinter Mossburn sehen Sie rechts den Abzweig zu den Mavora Lakes. Die Straße wird bald Schotter. Nach einiger Zeit biegt links die Straße zu den Seen ab, bis hierher ist die Strecke durchaus noch mit einem Wohnmobil zu fahren. An den Seen wurden übrigens viele Szenen von "Lord of the Rings" gedreht. Wenn Sie nicht zu den Mavora Lakes wollen, dann fahren Sie einfach geradeaus weiter. Danach fahren Sie den Rest der Strecke bis zum Lake Wakatipu in einem gewaltigen Tal. Es geht bergauf, bergab und durch einige Flussdurchfahrten mit ganz schön großen Felsbrocken drin. Unterwegs kommen Sie an einige Viehgatter, bitte denken Sie daran; auf = bleibt offen, zu = wird wieder zugemacht. Wenn es stark regnen sollte, ist etwas Vorsicht angebracht. Die Straße hat keinen Belag und wird deshalb sehr schmierig und die Flussdurchfahrten haben dann ihre eigenen Gesetze. Sobald Sie den See sehen können, halten Sie sich an Abzweigungen rechts, es gibt nämlich noch eine zweite Station hier (Mt Nicholas Stn), die allerdings privat betrieben wird.

Tipp: Die Strecke zur Walter Peak Station ist eine Sackgasse, die Sie natürlich wieder zurückfahren müssen. Ich habe es manchmal geschafft, dass der Kapitän mein Motorrad auf das Schiff gelassen hat - die Gesichter, als ich dann in QT mitten in einem Café vom Schiff fuhr und freundlich lächelnd mit der 1100er BMW durch die Restauranttische Slalom wedelte, waren wirklich sehenswert. Sie können aber ihr Auto auf der Farm parken, mit dem Schiff abends nach QT zu ihrem Motel fahren, dort bequem übernachten und am nächsten Tag kommen Sie einfach mit dem Schiff wieder zurück zur Farm, um Ihre Tour weiterzuführen. Oder Sie fahren zu den Mavora Lakes und übernachten dort auf einem der sehr schönen DOC Campingplätze, aber unbedingt Mückenschutzmittel mitnehmen, es gibt dort unzählige sandflies! Oder Sie fahren nach Mossburn und übernachten in einem Motel, um dann nach Te Anau oder zum Milford Sound weiterzufahren. Sie können natürlich auch die ganze Strecke QT - Walter Peak - QT an einem einzigen Tag machen. Kein Problem. Ich habe es oft genug gemacht.

Wollen Sie noch mehr Strecken kennenlernen?
Es gibt ein Buch dazu:
Noch mehr Strecken dieser Art und Hinweise auf Plätze und sehenswerte Stellen, an die man sonst vermutlich gar nicht denkt, finden Sie in meinen Neuseeland-Reiseführer Off The Beaten Track:
www.angelfire.com/de/nz/1stpage.html?
row2col2=buecherphope.html

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Der Autor: Der Neuseeländer Peter Hohenberger ist freischaffender Schriftsteller und war lange Zeit in Neuseeland als Touroperator tätig. Er lebt mit seiner Frau Rossi in Raglan by the Sea. www.go.to/NZ

 

 

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