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Die Maori Neuseelands –
Gebräuche und Religion

von Martin Schulz, M.A.

Inhaltsverzeichnis
1. Zentrale Begriffe zum Weltbild – mana, tapu, noa
2. Gesellschaftliche Bedeutung und praktische
    Auswirkungen
3. Gegenwart

1. Zentrale Begriffe zum Weltbild – mana, tapu, noa

Ähnlich vielen anderen polynesischen Gruppen besitzen die Maori Neuseelands ein umfangreiches kosmologisches Weltbild. Auf zentralen Begriffen mit weitgreifenden Bedeutungen gestützt, trägt dieses zur Erhaltung der ethnischen Identität bei.

Im Maoritanga (te reo Maori: Maorikultur, -Gesellschaft) finden sich bekannte Vokabeln wie das tatauieren (Eine Variante des Tätowierens, bei dem durch Einritzen der Haut mit in Farbe getauchten Nadeln die bekannten moko [Gesichtsbilder] geschaffen werden) oder das hongi
(Die Berührung zweier Menschen mit ihren Nasen und der Stirn. Dies gilt als Zeichen der Verbundenheit und besitzt eine hohe zwischenmenschliche Qualität).
Elementar für das alltägliche Miteinander waren und sind auch heute noch die Begriffe des mana, des tapu und des noa.

Während die Ehre, das Ansehen und damit die gesellschaftliche Stellung eines jeden maia oder toa [Krieger] durch sein mana bestimmt wurde, regelten die beiden anderen Begriffe den Handlungsraum eines jeden Maori. Ob beim Bau eines waka (Kanu, Boot) oder eines whare (Haus, Gebäude), beim Zubereiten von Speisen oder der Kriegsführung – immer war der korrekte Umgang mit tapu und noa lebensentscheidend. Umgangssprachlich und vereinfachend werden die beiden Begriffe oftmals mit „Heilig“ und „Gewöhnlich“ übersetzt.

2. Gesellschaftliche Bedeutung und praktische Auswirkungen

Dies, also tapu und noa mit „Heilig“ und „Gewöhnlich“ zu übersetzen, entspricht jedoch nur sehr eingeschränkt den Gegebenheiten. Der Status des tapu verhinderte den Nahrungserwerb von Plätzen auf denen Schlachten stattgefunden hatten und Diebstähle von Gegenständen die damit versehen waren. Auf die gleiche Weise verhinderte das Hindurchkriechen der Krieger unter den Beinen der Häuptlingstochter, das diese als Mitglieder der Gruppe die Gräueltaten begehen mussten. Da die Häuptlingstochter mit einem starken noa versehen war, erlaubte das Hindurchkriechen den Kriegern sich für die Kriegszeit aus der Gemeinschaft zu nehmen und so frei von deren Regeln und Restriktionen zu sein. Durch die Wirkung des noa dem normalen Miteinander entzogen, war es möglich Krieg zu führen, ohne die Mitglieder der eigenen Gruppe später mit den außergewöhnlichen Taten zu belasten.

Das tapu hatte aber auch im Alltag seine Besonderheiten – so war es einem Chief nicht möglich sein Essen selbst zum Mund zu führen. Hätte er dies getan, so wäre entweder sein eigener Status durch das „einfache“ Essen verunreinigt worden, oder aber das Essen für ihn aufgrund seines höheren tapu Status ungenießbar geworden. [Im Te Papa in Wellington ist eine kleine Auswahl der Fütterhörner zu sehen. Mittel diesen konnte das Essen ohne direkten Kontakt zu sich genommen werden] Das gesamte Miteinander im alltäglichen Umgang und auch den rituellen/sakralen Zeremonien regelte sich unter Berücksichtigung von mana/noa/tapu. Es wird sogar davon berichtet wie der Verzehr einer Kartoffel von einem mit starkem tapu versehenen Grabplatz, das Mitglied einer Reisegruppe (offensichtlich nicht mit der Umgebung vertraut) in den Tod brachte. (vgl. Greschat, 1980: 80 f.)

Das mana eines Maori innerhalb seiner Gruppe wiederum, beeinflusste ausschlaggebend seine Stellung und das Gewicht seiner Meinung. Besaß ein Krieger viel davon, wurde seinen Ausführungen Gehör geschenkt und er besaß damit die Möglichkeit Andere um sich zu scharen und auf diese Weise das Geschick der eigenen Gruppe mitzubestimmen.

Verlor er jedoch seine Position durch fehlerhaftes Verhalten konnte dies fatale Auswirkungen für ihn haben – Bestes Beispiel dafür ist der berühmte Kulturheroe Te Waru, welcher nach einer Liäson mit der Frau eines Anderen seine Position verlor und in der Schlacht von seinen Männern verlassen wurde.

Gleiches galt für die Begriffe noa und tapu: Aufgrund eines starken tapu unantastbar zu sein barg in sich die Möglichkeit einer gehobenen Stellung und den damit einhergehenden Annehmlichkeiten. Wurde diese Stellung jedoch durch unangemessenes Verhalten oder das Anderer gestört, so kam es auf das mana desjenigen an – war es stark, so vermochte das Problem durch bloße Präsenz geklärt werden. Reichte der Status jedoch nicht aus, hatte die Person den Verlust seiner Position und jeglicher Ehren zu befürchten.

Gelang es zum Beispiel einem Anderen auf den Kopf eines Chief zu urinieren, war dieser vollständig entehrt und konnte mitunter aus seiner Gemeinschaft vertrieben werden. (Vgl. Greschat, 1980: 80)

In aufwendigen Zeremonien war es ausgewählten tohunga (Oftmals als Priester / Schamane übersetzter Begriff des te reo Maori. Ausschlaggebend für diesen Titel ist jedoch vor allem die Spezialisierung und besondere Fähigkeit in wichtigen Handwerken und Künsten. So gab es zum Beispiel auch tohunga tarai waka [Kanubauer, vgl. Evans, 2000] oder tohunga whare [Hausbauer]) möglich die Konflikte zwischen noa und tapu zu beheben. Um die anderen Mitglieder nicht zu gefährden, wurde dabei mitunter die gesamte Habschaft des Individuums vernichtet. Zu groß war die Gefahr selbst Opfer zu werden.

So regelte sich der Alltag durch die Präsenz oder aber des Fehlens eines tapu und mitunter notwendigen Zeremonien zur Besänftigung eines stattzufindenden Aktes. Dem Fällen eines Baumes zum Beispiel ging stets eine Zeremonie zur Versöhnung mit Tane (der Entität des Waldes – es wird bewusst die Bezeichnung Gott oder Geist vermieden) voraus, um auf diese Weise einen tapu-Bruch vorzubeugen.

3. Gegenwart

Obwohl mit Beginn des Kontaktes mit den pakeha [das sind alle Nicht-Maori, vor allem aber die Menschen mit west-europäischen Ursprung] durch die zunehmende „Verwestlichung“ neue Werte ihren Einzug in die Gesellschaft hielten, wird die Tradition in hohen Ehren gehalten. Mit zahlreichen Büchern, Kongressen und nicht zuletzt durch die lebendige Gemeinschaft werden jungen Maori die Werte und kulturelle Identität vermittelt. (Vgl. Shirres, 1997 und Scott, 1975)

So erscheinen in unregelmäßigen Abständen Lexika in denen zeitgenössische Neologismen des te reo Maori [die Sprache der Maori] aufgegriffen und in den offiziellen Wortschatz aufgenommen werden. (Vgl. Maori Language Commission, 1996). Dazu ist das te reo Maori zweite offizielle Amtssprache und findet vor allem bei der Benennung von Städten und besonderen Orten Anwendung.

Insbesondere auf den hui, den Gemeinschaftstreffen in den whare whenui [Versammlungshaus] und auf dem marae [Dorfplatz, Gemeinschaftsplatz vor dem Versammlungshaus] werden die eigenen Werte und Ideen lebendig gehalten. (Vgl. Karetu, 1993 und Tauroa, 1986). Nach wie vor ist es den Menschen wichtig die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft und damit zur eigenen Vergangenheit zu wahren und demonstrieren.

Und wie stark die Beziehung eines Maori zu seinen Wurzeln ist, mag derjenige schmerzhaft erfahren, der seine Ahnen beleidigt...


von Martin Schulz, M.A.



Quellenverzeichnis:

Best, Elsdon (2001): Notes on the Art of War. The Polynesian Society: Singapore.
Evans, Jeff (2000): Waka Taua – The Maori War Canoe. Reed Publishing: New Zealand.
Greschat, Hans-Jürgen (1980): Mana und Tapu – Die Religion der Maori auf Neuseeland. Dietrich Reimer Verlag: Berlin.
Harawira, K.T. (1997): Beginner´s Maori. Hippocrene Books: New York.
Karetu, Timoti (1993): Haka! – The Dance of a noble People. Reed Books: Auckland.
Maori Language Commission – Te Taura Whiri I te Reo Maori (1996): Te Matatiki – Contemporary Maori Words. Oxford University Press: Auckland.
Shirres, Michael P. (1997): Te Tangata – the human person. Accent Publications: Auckland.
Scott, Dick (1975): Ask that Mountain – The Story of Parihaka. Reed Books: Auckland.
Tauroa, Hiwi und Pat (1986): Te Marae – A Guide to Customs & Protocol. Reed Books: Auckland.
 

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